Schmerzen im Bewegungsapparat – alles nur Verschleiß?

Bei Patienten die aufgrund von Schmerzen im Bewegungsapparat zum Arzt gehen werden oft Röntgenbilder der Gelenke oder MRT-Bilder der Bandscheiben gemacht. Dabei findet sich häufig ein Verschleiß des untersuchten Gelenkes (Arthrose) oder der Bandscheibe, manchmal sogar ein Bandscheibenvorfall. Lassen sich die Beschwerden mit den üblichen Methoden nicht rasch bessern, wird oft zu einer Operation geraten.

Röntgen und MRT zeigen nicht immer die Ursache

Unserer Erfahrung nach sind jedoch nicht immer die in der Bildgebung sichtbaren Schädigungen Schuld an den Beschwerden. Oft handelt es sich auch um Schmerzen aus der Muskulatur, welche auf Bildern nicht erkennbar sind. Durch Fehlbelastung der Muskeln und Fehlhaltung des Körpers kann es zu anhaltenden Verspannungen der Muskulatur kommen. Es bilden sich im Laufe der Zeit schmerzhafte Stränge und Knötchen, sogenannte Triggerpunkte. Diese schmerzhaften Muskelverhärtungen lösen oft auch eine Schmerzausstrahlung in Arm oder Bein aus (to trigger = auslösen). Da diese (Muskel-)Schmerzen sich oft noch durch Bewegung verstärken, können sie einem Ischiasschmerz oder Arthroseschmerz sehr ähnlich sein. Wird der Patient dann von einem Arzt oder Therapeuten untersucht, der keine Erfahrung mit Triggerpunkttherapie hat und nur auf die Bildgebung achtet, wird diese Ursache leicht übersehen.

Therapie statt OP

Bei fortgeschrittener Arthrose ist es durchaus möglich, dass die schmerzhaften Muskelverspannungen auch durch das geschädigte Gelenk selbst ausgelöst werden. Aber auch hier kann die Triggerpunktbehandlung eine Operation oft verhindern oder lange hinauszögern. Der Patient muss in diesen Fällen aber darüber aufgeklärt werden, dass es sich dann nicht um eine ursächliche Therapie handelt und die Beschwerden früher oder später zurückkehren können. Da die Triggerpunktbehandlung in der Hand von erfahren Ärzten und Therapeuten effektiv und ungefährlich ist, kann sie jedoch bei erneuten Beschwerden auch problemlos wiederholt werden. Aber auch wenn auf Röntgen- oder MRT-Bildern überhaupt keine krankhaften Veränderungen zu erkennen sind und die Patienten dennoch über Schmerzen klagen, sollte an Triggerpunkte gedacht werden.

Triggerpunkte treten häufig im Alltag auf

Heutzutage leiden viele Menschen aufgrund sitzender Tätigkeiten im Büro oder im Auto an chronischen Verspannungen. Dabei ist oft der Schultergürtel mit Schmerzausstrahlung in den Kopf oder in die Arme sowie der Beckengürtel mit Schmerzausstrahlung ins Gesäß oder ins Bein betroffen, ohne dass eine Arthrose oder ein Bandscheibenvorfall feststellbar ist. Bei dieser „versteckten“ Ursache handelt es sich dann fast regelmäßig um Triggerpunkte, die vom Arzt oder Therapeuten getastet und mit den Händen oder geeigneten Hilfsmitteln wie Stoßwellen aufgelöst werden können. Eine Anleitung zu Eigenübungen um das Wiederauftreten der Triggerpunkte zu verhindern und eine Selbstbehandlung zu ermöglichen gehört ebenfalls zu einer erfolgreichen Therapie. Unter der Internetadresse www.IGTM.org finden Sie eine Liste mit in der Triggerpunktbehandlung ausgebildeten Ärzten und Therapeuten in Ihrer Nähe.

Dr. med. Peter Reinecke, Bremen